Rückverfolgbarkeit: GTIN, Chargennummer und SSCC pro Warenbewegung verknüpfen
Bild: Lieferkettenbuch

Rückverfolgbarkeit

Wie verknüpfen Sie Warenbewegungen für eine brauchbare Rückverfolgbarkeit?

Rückverfolgbarkeit ohne Softwarebudget: Warenbewegungen mit Charge, SSCC, GTIN und Belegschlüsseln verknüpfen, prüfen und Lücken im Ablauf erkennen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Drei Kennungen genügendie Produktkennung GTIN, eine selbst vergebene Chargennummer und der SSCC/NVE für jede Transporteinheit.
  • Eine Rückverfolgbarkeit entsteht nicht durch Kennungen allein, sondern durch die Verknüpfung jedes Bewegungssatzes mit einer Referenz wie Lieferschein oder Bestellung.
  • Papier oder Tabelle reichen für den Anfang, wenn Zu- und Abbuchungen vollständig sind und Korrekturen sichtbar bleiben.
  • Ein Rückwärtstest vom Empfänger zum Wareneingang zeigt Lücken schneller als jede Vorabplanung.

Artikel, Charge und Transporteinheit sauber trennen

Die häufigste Verwechslung entsteht, weil drei völlig verschiedene Dinge dieselbe Nummer tragen sollen. Die GTIN kennzeichnet laut GS1 Germany einen Artikel oder eine Produktvariante weltweit überschneidungsfrei. Sie sagt aber nichts darüber, aus welchem Fertigungslos eine konkrete Kiste stammt. Wer nur die GTIN erfasst, kann bei einer Reklamation nicht eingrenzen, welche Ware betroffen ist.

Vergleich der drei Kennungen GTIN, Charge und SSCC (Wie verknüpfen Sie Warenbewegungen für eine brauchbare Rückverfolgbarkeit?)
Die drei Ebenen erfüllen unterschiedliche Zwecke und dürfen nicht vermischt werden. Image: Lieferkettenbuch

Die zweite Ebene ist die Charge oder das Los. Sie fasst Produkte zusammen, die gemeinsame Eigenschaften teilen, etwa dasselbe Herstellungsdatum oder dieselbe Rohstofflieferung. Die dritte Ebene ist die Transporteinheit. Der SSCC, in Deutschland NVE genannt, ist laut GS1 Germany eine 18-stellige Identifikationsnummer für Transporteinheiten wie Paletten und Versandkartons. Er begleitet die Sendung vom Versender zum Empfänger und dient allen Beteiligten als gemeinsamer Bezug.

Wichtig ist die Abgrenzung: Ein SSCC identifiziert eine physische Einheit, nicht den Inhalt. Nach der GS1-Fachpublikation vom Mai 2020 kann eine Transporteinheit beliebig viele, auch unterschiedliche Artikel enthalten. Kisten, Paletten, Container oder Päckchen sind zulässig, solange der Versender die Einheit bestimmt. Eine Transporteinheit darf auf dem Weg zum Endempfänger niemals zwei verschiedene SSCC tragen.

Für den Aufbau ohne Software bedeutet das eine schlichte Regel: Jede Zeile in Ihrer Aufzeichnung benennt den Artikel, die Charge und die Transporteinheit getrennt. Vermischen Sie diese drei Angaben nicht in einem Feld. Sonst verlieren Sie genau die Information, die Sie bei einer Rückfrage brauchen.

Bezugsschlüssel für Ein- und Ausgang festlegen

Eine Chargennummer ohne Belegbezug ist wertlos. Sie wissen dann, dass Los 4711 existiert, aber nicht, wo es herkam und wohin es ging. Legen Sie deshalb für jede Bewegung einen Schlüssel fest, der die Buchung eindeutig mit einem Dokument verbindet.

Checkliste der vier Pflichtangaben für jede Warenbewegung (Wie verknüpfen Sie Warenbewegungen für eine brauchbare Rückverfolgbarkeit?)
Ohne diese vier Angaben bleibt eine Buchung ohne Bezug und damit wertlos. Image: Lieferkettenbuch

Die einfachste tragfähige Struktur sieht vier Pflichtangaben pro Bewegung vor:

  1. Datum und Uhrzeit der Buchung.
  2. Artikelkennung, etwa die GTIN oder eine interne Artikelnummer.
  3. Chargen- oder Losnummer.
  4. Referenz auf das auslösende Dokument, also Lieferscheinnummer, Bestellnummer oder Ausgangsbeleg.

Ergänzen Sie je nach Betrieb die Menge mit Einheit, den Lagerort und bei Ausgängen die SSCC der Transporteinheit. Diese Felder sind eine praktische Festlegung für Ihr eigenes Schema. Prüfen Sie separat, ob für Ihre Branche oder Produkte zusätzliche Anforderungen gelten.

Ein Punkt wird oft übersehen: Die GS1-Fachpublikation betont, dass der SSCC als reines Identmerkmal ein Zugriffskriterium für dahinterstehende Informationen ist. Der Barcode allein trägt also keine Rückverfolgbarkeit. Die Datenbeziehungen müssen in Ihren Unterlagen existieren. Ein Etikett mit Nummer und eine leere Tabelle daneben ergeben keine Spur.

Behandeln Sie interne und fremde Kennungen getrennt. Odoo 18.0 kennt dafür ein Feld für die interne Referenz, das sich von der Lieferantencharge unterscheiden darf. Auch wenn Sie kein Odoo nutzen, ist die Trennung sinnvoll: Der Lieferant liefert seine Losnummer, Sie führen zusätzlich Ihre eigene, falls die fremde Nummer mehrdeutig ist.

Eine Charge über zwei Lieferungen verfolgen

Die folgende Zuordnung ist ein ausdrücklich fiktives Rechenbeispiel. Es zeigt nur, wie die Beziehungen aussehen, nicht wie Ihr Betrieb tatsächlich ausgeliefert hat.

Zeitstrahl der Warenbewegungen der Charge L-4711 (Wie verknüpfen Sie Warenbewegungen für eine brauchbare Rückverfolgbarkeit?)
Vom Wareneingang bis zu den beiden Auslieferungen zeigt der Zeitstrahl die Verknüpfung. Image: Lieferkettenbuch

Angenommen, am 3. März gehen 100 Einheiten der Charge L-4711 mit Lieferschein 8842 ein. Sie lagern die gesamte Menge im Regal A3. Am 10. März liefern Sie 60 Einheiten an Empfänger Nord aus, am 18. März die restlichen 40 Einheiten an Empfänger Süd. Jede Auslieferung erhält eine eigene Transporteinheit mit eigenem SSCC.

DatumVorgangArtikelChargeMengeTransporteinheitReferenzPartner
03.03.WareneingangA-100L-4711100SSCC 1LS 8842Lieferant X
03.03.EinlagerungA-100L-4711100SSCC 1LS 8842Regal A3
10.03.WarenausgangA-100L-471160SSCC 2LS 9015Empfänger Nord
18.03.WarenausgangA-100L-471140SSCC 3LS 9016Empfänger Süd

Die Rückwärtssuche beginnt beim Kunden. Empfänger Süd meldet einen Mangel und nennt Lieferschein 9016 oder SSCC 3. Sie suchen in der Tabelle nach dieser Referenz, finden Charge L-4711, Menge 40, Ausgang am 18. März. Von dort gehen Sie über die Charge zurück zum Wareneingang vom 3. März mit Lieferschein 8842, Menge 100 und Lieferant X.

Ein solcher Blick über zwei verbundene Sichten ist genau das, was Odoo mit seinem Rückverfolgbarkeitsbericht darstellt: Herkunft, Zeitpunkt, Lagerort und Empfänger einer Charge. Die Dokumentation beschreibt damit eine softwareinterne Sicht. Sie garantiert keine Rekonstruktion von Daten, die nie erfasst wurden.

Prüfen Sie Ihre Tabelle mit dieser Rückwärtssuche regelmäßig. Nehmen Sie einen echten Lieferschein der letzten Woche, suchen Sie den Empfänger und arbeiten Sie sich bis zum Wareneingang zurück. Wenn Sie an einer Stelle raten müssen, haben Sie dort eine Lücke.

Was bei unveränderten und neuen Einheiten zu beachten ist

Wechselt Ware zwischen Verpackungen, wird es knifflig. Nach der GS1-Fachpublikation kann ein Dienstleister mehrere Transporteinheiten vorübergehend zusammenfassen. Dabei entsteht eine neue Transporteinheit, die einen eigenen SSCC erhalten kann. Nach dem Auflösen bestehen die ursprünglichen Einheiten weiter. Für Ihre Aufzeichnung heißt das: Verweisen Sie bei einer neuen Zusammenstellung auf die enthaltenen Einheiten, statt sie zu überschreiben.

Entscheidungshilfe zur SSCC-Vergabe bei Verpackungswechsel (Wie verknüpfen Sie Warenbewegungen für eine brauchbare Rückverfolgbarkeit?)
Die beiden Regeln verhindern, dass bestehende Kennungen überschrieben werden. Image: Lieferkettenbuch

Zwei praktische Regeln helfen:

  • Bleibt eine Einheit unverändert, behält sie ihren SSCC über die gesamte logistische Strecke. Existiert bereits ein SSCC, muss er übernommen werden.
  • Entsteht eine neue Einheit, vergeben Sie einen neuen SSCC und notieren Sie, welche alten Einheiten hineingegangen sind.

Achten Sie zusätzlich auf die Datenbezeichner, wenn Sie Etiketten mit Barcodes nutzen. Das GS1-Beispiel für eine Palette mit 48 identischen Umkartons verwendet Datenbezeichner 00 für den SSCC, 02 für die GTIN des Umkartons und 37 für die Anzahl. Ist die Transporteinheit zugleich eine Handelseinheit mit eigener GTIN, verweist der Leitfaden stattdessen auf Datenbezeichner 01. Verwechseln Sie diese Fälle nicht, sonst passt die Etikettangabe nicht zur Tabelle dahinter.

Auch bei der Nummernvergabe lohnt eine Notiz. Einmal verwendete SSCC/NVEs sollten laut derselben Fachpublikation frühestens nach einem Jahr wiederverwendet werden. Ist die Transporteinheit länger im Umlauf oder bleibt der SSCC in Datenbanken als Referenz wichtig, verlängert sich der Zeitraum entsprechend.

Grenzen und Aufwand ehrlich einschätzen

Rückverfolgbarkeit auf Papier funktioniert, hat aber eine klare Schwachstelle: Die Qualität hängt an der Disziplin beim Buchen. Jede Bewegung, die nicht eingetragen wird, ist später nicht rekonstruierbar. Planen Sie deshalb lieber weniger Felder, die Sie wirklich ausfüllen, als ein umfangreiches Formular, das nach zwei Wochen liegen bleibt.

Ein realistischer Aufwand sieht so aus: Pro Wareneingang fallen zwei bis drei Zeilen an, pro Ausgang eine bis zwei. Bei zwanzig Bewegungen am Tag sind das je nach Mischung rund zwanzig bis sechzig Zeilen. Ob das in Ihren Ablauf passt, hängt von Ihrem Volumen ab. Dieses Beispiel ist eine Orientierung, keine Messung.

Bleiben Sie außerdem vorsichtig mit dem Begriff Nachweis. Odoo erlaubt es, eine Chargennummer nachträglich zu bearbeiten. Die Dokumentation nennt das Feld für die Losnummer ausdrücklich als änderbar. Eine solche Aufzeichnung ist damit nicht unveränderlich. Für eine belastbare Spur empfiehlt sich eine eigene, fortlaufend nummerierte Belegreihe, bei der Korrekturen als Storno mit Begründung erscheinen. Ob und welche Nachweise Ihr Betrieb zusätzlich prüfen lassen muss, hängt von Branche und Abnehmern ab und ist nicht pauschal zu beantworten.

Häufige Fragen

Reicht eine Chargennummer, um eine Lieferung zurückzuverfolgen?

Nur wenn die Auslieferung mit dieser Charge verknüpft ist. Ohne Bezug zu Lieferschein oder SSCC wissen Sie, welches Los betroffen war, aber nicht, welcher Kunde die Ware erhalten hat.

Kann ich SSCC und Chargennummer in einem Feld erfassen?

Davon ist abzuraten. Der SSCC identifiziert die Transporteinheit, die Chargennummer das Fertigungslos. Eine Transporteinheit kann Ware aus mehreren Chargen enthalten, dann kollidiert die Zusammenfassung.

Woran erkenne ich, dass meine Aufzeichnung lückenhaft ist?

Am einfachsten mit dem Rückwärtstest. Wählen Sie einen echten Ausgangsbeleg, suchen Sie den Empfänger und verfolgen Sie die Charge bis zum Wareneingang. Bleibt ein Schritt offen, ist dort eine Lücke.

In diesem Leitfaden

  1. Die Chargenverfolgung in Odoo anhand der dokumentierten Funktionen prüfenOdoo Chargenverfolgung dokumentiert prüfen: Lot-Nummern beim Wareneingang zuweisen, per Import bündeln, ohne den Wareneingang unnötig zu bremsen.
  2. Chargendokumentation: Wareneingang, Lager und Auslieferung verbindenChargendokumentation aufbauen: Beispielschema mit Datum, Artikel, Charge, Menge, Lagerort, Bewegungstyp und Referenzschlüssel sowie Rückwärtstest der Verknüpfung.
  3. Fünf Datenpunkte für Chargenangaben mit Lieferanten abstimmenFünf Datenpunkte für Chargenangaben mit Lieferanten: Artikelnummer mit Charge, Menge, Versandeinheit, Lieferreferenz und Störfallkontakt als Bestellvorgabe.

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