Einen Zweitlieferanten anhand von Abhängigkeiten und Anlaufbedarf prüfen
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Einen Zweitlieferanten anhand von Abhängigkeiten und Anlaufbedarf prüfen

Zweitlieferant aufbauen: So prüfen Sie gemeinsame Vorstufen, Standortnähe, Werkzeugabhängigkeit und Anlaufzeit, ohne den Bestandslieferanten zu verprellen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein zweiter Lieferant ist nur dann eine zweite Quelle, wenn Vorstufe, Standort und Werkzeug wirklich getrennt sind.
  • Der BME-Leitfaden von November 2017 nennt die Prüfung von Second-Source-Möglichkeiten ausdrücklich als Teil der Lieferantenbewertung für strategische Lieferanten.
  • Rechnen Sie mit einer Anlaufphase, in der beide Lieferanten parallel laufen. Der BME-Bericht von 2020 zeigt, dass Risiken über mehrere Lieferstufen entstehen können.

Was eine echte zweite Quelle ausmacht

Zwei Lieferantennamen sind noch keine zweite Quelle. Entscheidend ist, ob die Vorleistung getrennt beschafft wird. Ziehen beide Betriebe dasselbe Vormaterial vom selben Hersteller, teilen sie einen Engpass. Fällt diese Vorstufe aus, liefern beide nicht.

Der BME-Leitfaden von November 2017 ordnet eine vollständige Überwachung der gesamten Lieferkette als aus Transparenz- und Kapazitätsgründen nicht umsetzbar ein. Statt alles zu verfolgen, prüfen Sie gezielt die kritische Vorstufe Ihres Bauteils. Diese gezielte Prüfung ist eine aus dem Leitfaden abgeleitete Empfehlung.

Vergleichsschema für Zweitlieferanten

Das folgende Schema ist eine redaktionelle Arbeitshilfe, kein geprüftes Branchenmodell. Tragen Sie für beide Lieferanten dieselben Angaben ein.

Vergleichstabelle für Bestands- und Kandidatenlieferant mit fünf Kriterien (Einen Zweitlieferanten anhand von Abhängigkeiten und Anlaufbedarf prüfen)
Das Vergleichsschema stellt die entscheidenden Kriterien für eine echte zweite Quelle gegenüber. Image: Lieferkettenbuch
KriteriumLieferant 1 (Bestand)Lieferant 2 (Kandidat)
Vorstufeeigener Bezug oder gemeinsame Quellegetrennte Vorstufe belegt?
StandortWerk und Regionandere Region oder nur anderes Werk?
Werkzeugim eigenen Besitz oder beim Lieferanten?zweites Werkzeug nötig?
Rüstzeitbereits eingespieltAnlaufzeit bis Serienreife
Kapazitätaktuell gebundene Mengefreie Menge für Ihren Anteil

Ein einfaches Beispiel: Sie vergeben fünfzig Prozent der Jahresmenge an den Kandidaten, während er noch in der Anlaufphase ist. Ob diese Aufteilung zu Ihrer Warengruppe passt, hängt von Losgröße und Werkzeug ab. Die Zahlen sind eine Illustration, keine Empfehlung.

Der Leitfaden nennt als mögliche Maßnahmen ein warengruppenbezogenes Risikomanagement mit Priorisierung und Maßnahmenkatalog. Übertragen auf die Zweitquelle heißt das: Legen Sie vorab fest, welche Warengruppe zuerst eine zweite Quelle bekommt.

Anlaufphase realistisch planen

Rechnen Sie in Phasen. Zuerst Bemusterung, dann eine kleinere Testserie, danach eine feste Quote. Jede Phase braucht ein Abbruchkriterium. Ohne Kriterium läuft die Testserie endlos nebenher.

Drei Phasen der Anlaufphase: Bemusterung, Testserie, feste Quote (Einen Zweitlieferanten anhand von Abhängigkeiten und Anlaufbedarf prüfen)
Die Anlaufphase läuft in drei Stufen, jede mit eigenem Abbruchkriterium. Image: Lieferkettenbuch

Der BME-Bericht von 2020 beschreibt, dass bei mehr als siebzig Prozent der Befragten die erste Lieferantenstufe im Risikomanagement berücksichtigt wird. Die zweite Lieferantenstufe erreichen nur rund vierzig Prozent. Genau dort liegen die gemeinsamen Vorstufen, die eine zweite Quelle wertlos machen können.

Den Bestandslieferanten einbeziehen

Ein offener Satz vor dem ersten Gespräch wirkt besser als ein Alleingang. Sagen Sie, dass Sie für ein kritisches Teil eine Absicherung aufbauen und die bestehende Menge kurzfristig nicht kürzen. Wer das verschweigt und später die Quote senkt, beschädigt die Beziehung.

Der BME-Bericht von 2020 dokumentiert einen Fall, in dem ein Unternehmen das Thema Second Source als bedeutend beschreibt und Abhängigkeiten zum Großteil auflösen konnte. Diese Aussage ist eine Selbstauskunft aus dem Jahr 2020, kein belegter Dauererfolg für Ihren Fall.

Werkzeug und Standort getrennt prüfen

Fragen Sie ausdrücklich, wem das Werkzeug gehört und wo es steht. Liegt das Zweitwerkzeug am selben Standort wie das erste, teilen beide dasselbe Standortrisiko. Ein anderes Werk desselben Konzerns kann dieselbe Vorstufe nutzen.

Der BME-Leitfaden von November 2017 verweist darauf, dass eine vollständige Überwachung der gesamten Lieferkette aus Transparenz- und Kapazitätsgründen nicht umsetzbar ist. Prüfen Sie deshalb nur die Vorstufen, die für Ihr Bauteil tatsächlich ausschlaggebend sind.

Häufige Fragen

Wie viele Lieferanten brauche ich für eine zweite Quelle?

Einen zweiten Betrieb mit getrennter Vorstufe und getrenntem Standort oder Werkzeug. Zwei Namen mit gemeinsamer Vorstufe lösen das Ausfallrisiko nicht.

Was sage ich dem Bestandslieferanten?

Sagen Sie offen, dass Sie eine Absicherung für ein kritisches Teil aufbauen und die bestehende Menge zunächst nicht senken. Der BME-Bericht von 2020 zeigt einen Fall, in dem dies mit dem Thema Second Source verbunden war.

Wie lange dauert die Anlaufphase?

Eine allgemeine Dauer lässt sich aus den Quellen nicht ableiten. Planen Sie Bemusterung, Testserie und feste Quote nacheinander und setzen Sie je Phase ein Abbruchkriterium.

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