Karte zu Lieferantenbesuch, Risikoprüfung und terminierten Maßnahmen im Einkauf
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Lieferantenbesuch: Was das Reinhausen-Beispiel über Risikoprüfung zeigt

Lieferantenbesuch ohne Zertifizierungsaudit planen: Fragen zu Standort, Bonität und zugesagten Maßnahmen aus dem Reinhausen-Beispiel ableiten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Ein Lieferantenbesuch ersetzt kein Zertifizierungsaudit, liefert aber oft konkretere Hinweise zu Standort, Bonität und Vorlieferanten.
  • Der dokumentierte Ansatz der Maschinenfabrik Reinhausen kombiniert Selbstauskunft, regelmäßige Besuche und fest terminierte Maßnahmen.
  • Reine Nachlaufkennzahlen wie Lieferverzug sagen nichts über künftige Engpässe aus.

Was das Reinhausen-Beispiel dokumentiert

Der BME-Leitfaden vom November 2017 beschreibt, dass bei der Maschinenfabrik Reinhausen zu Beginn einer Geschäftsbeziehung eine Selbauskunft eingeholt und technisch sowie kaufmännisch verifiziert wird. Bei Bedarf kommt eine Fremdauskunft zum Abgleich hinzu. Differenzen zwischen Eigenbild und Fremdbild gelten dort als besonders erklärungsbedürftig. Das ist der im BME-Leitfaden dokumentierte Ablauf der Maschinenfabrik Reinhausen.

Für den Besuch zentral ist ein Satz aus diesem Beitrag: Regelmäßige Besuche und Audits sollen den bekannten Stand verifizieren und Abweichungen möglichst frühzeitig aufzeigen. Der Besuch dient damit nicht der Zertifizierung, sondern dem Abgleich zwischen Papierlage und Realität. Wichtig: Dies ist eine Selbstbeschreibung aus 2017, keine unabhängige Prüfung.

Worauf Sie beim Besuch achten können

Die Risikobewertung im beschriebenen Fall umfasst Fragen zur Sicherheit und zu Standortrisiken, zur aktuellen Lieferantenbeziehung sowie zur allgemeinen Situation des Lieferanten und seiner Zulieferer, etwa Bonität und Marktlage. Zudem werden zugrunde liegende Verträge betrachtet. Aus diesen Themen lässt sich eine praktische Checkliste ableiten.

Checkliste mit fünf Prüffragen für den Lieferantenbesuch ('Lieferantenbesuch: Was das Reinhausen-Beispiel über Risikoprüfung zeigt')
Diese fünf Prüffragen lassen sich direkt beim Besuch abarbeiten. Image: Lieferkettenbuch
Prüffrage vor OrtBeobachtungFolgeaktion
Wie belastbar ist der Standort?Sicherheitslage, Zulieferwege, einzelne FertigungslinienEngpassstelle im Register vermerken
Wer sind die tatsächlichen Ansprechpartner?Namen und Rollen für Technik, Qualität, KaufmännischKontaktliste mit Vertretung anlegen
Wie erholungsfähig ist der Betrieb?Auslastung, Personalreserve, RedundanzKapazitätspuffer prüfen
Was ist über Vorlieferanten bekannt?Abhängigkeiten und TransparenzZweitquellen für kritische Teile prüfen
Welche Verbindlichkeiten bestehen?Zahlungsverhalten, Vertragslage, AuskünfteBelege und Termin festhalten

Diese Liste ist eine eigene redaktionelle Ableitung, kein branchenweiter Standard. Konkretes Nachfragen beim Lieferanten sei oft aufschlussreich, heißt es in dem Leitfaden. Ergänzend werden dort auch externe Quellen wie Auskünfte und Fachinformationen regelmäßig genutzt.

Beobachtung und Prognose trennen

Die BME-Logistikumfrage 2020 weist darauf hin, dass viele genannte Kennzahlen den eigentlichen Zweck von Frühwarnindikatoren nur unzureichend erfüllen. Häufig seien es Größen, die erst nach einem bereits eingetretenen Ereignis reagieren. Diese Einordnung der BME-Logistikumfrage 2020 zum Risikomanagement betrifft ausdrücklich nicht nur Lieferverzug. Ein verspäteter Termin allein belegt keine Insolvenz.

Für den Besuch bedeutet das: Notieren Sie zwei getrennte Dinge. Erstens, was bereits messbar abweicht. Zweitens, welche Aussagen eine künftige Verschlechterung andeuten könnten, etwa geplante Investitionsstopps oder knappe Personalreserven. Beide Kategorien gehören getrennt dokumentiert, weil nur die zweite Kategorie eine Vorbereitung auf Engpässe erlaubt.

Besuch mit Maßnahmen abschließen

Im Reinhausen-Beispiel werden Maßnahmen und Aktionen für den Lieferanten schriftlich fixiert, vereinbart und terminiert. Ein Besuch ohne diese drei Elemente verpufft. Als Beispiel: Angenommen, Sie notieren vier offene Punkte und verteilen sie auf zwei Verantwortliche mit je zwei Terminen innerhalb von 30 Tagen. Das ist eine illustrative Rechnung, kein gemessener Branchenwert. Entscheidend ist, dass jeder Punkt einen Namen und ein Datum bekommt.

Häufige Fragen

Warum reicht eine Lieferantenselbstauskunft nicht aus?
Sie bildet die Eigensicht ab. Im beschriebenen Fall wird sie technisch und kaufmännisch verifiziert, bei Bedarf durch eine Fremdauskunft ergänzt. Erst der Abgleich zeigt Differenzen.
Ersetzt der Besuch ein Audit?
Im dokumentierten Fall dienen Besuche und Audits beide der Verifikation des bekannten Stands. Sie sind dort aber nur ein Teil eines umfassenderen, mehrstufigen Prozesses.
Was gehört in die Nachbereitung?
Die schriftliche Fixierung, Vereinbarung und Terminierung von Maßnahmen, wie es der Reinhausen-Beitrag vorsieht.

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